Dampf im Kessel: Forschungsprämie für Österreich wichtiger als jemals zuvor

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Mit einer Forschungsquote von 3,18 % zum BIP lag Österreich bis 2020 im europaweiten Vergleich recht weit vorne – 2018 gleich auf Platz 2 hinter Schweden. Dazu trug die Forschungsprämie, die sukzessive auf 14 % für Unternehmen mit Sitz in Österreich erhöht wurde, maßgeblich bei. Mit dieser Prämie war es Unternehmen möglich auch Hochrisikovorhaben anzugehen und somit vollkommen neue Lösungswege zu erkunden.

Im Corona-Jahr 2020 haben sich die F&E-Ausgaben von Privatwirtschaft und öffentlicher Hand angenähert. Erstmals sanken die F&E-Ausgaben – noch stärker ging das Wirtschaftswachstum zurück, womit die Forschungsquote auf ein neues Rekordhoch von 3,23 % stieg. Der Bund erhöhte seine F&E-Ausgaben: 2020 mit einem Anteil von 27,4 % im Vergleich zu 2019 mit 22,8 %. Der Unternehmenssektor legte den Rückwärtsgang ein, denn sein Anteil an F&E-Ausgaben sank von 48,1 % in 2019 auf 41,4 % in 2020. Der Anteil der Forschungsprämie stieg zum Vor-Coronajahr um 2 % – von 6,8 auf 8,8 %. Somit ist für 2020 mit einem neuen Rekord bei der Forschungsprämie zu rechnen.

Im Jahr 2020 wurden circa 40 % mehr Projektanträge an das FFG-Basisprogramm gestellt und erstmals über eine Milliarde Euro Forschungsprämie beantragt. „2020 war ein Ausnahmejahr. Wir sehen aber auch, dass die Pandemie 2020 zu einem Motivationsschub bei Innovationen und in der Forschung geführt hat“, so Henrietta Egerth und Klaus Pseiner. Diese Aussage kann in Kombination der WPZ-Studie „Wirkung von Forschungsausgaben“ als positiver Trend bewertet werden. Bereits für die Vor-Coronazeit von 2016-1019 konstatierten die Studienautoren Keuschnigg, Gogola, Johs, Kritzinger und Sardadvar, dass Unternehmen mit einer FFG-Förderung die Zahl der Beschäftigten um 7,1 % steigerten. Auch das Unternehmens- bzw. Umsatzwachstum legt um 10,8 % zu. Auf Basis einer innovativen Berechnungsmethode kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass 28 % des Wachstums auf Innovationen zurückzuführen sind. Die öffentliche Innovationsforschungsförderung ist somit essenziell für den Wirtschaftsstandort Österreich. Dazu gehört auch die Forschungsprämie. „Auf die Forschungsprämie entfielen 2019 0,76 Mrd. Euro, was 6 % der F&E-Ausgaben entspricht“, so die Studie.

Die Forschungsprämie gibt es seit 2002. Der Prämiensatz stieg von 3 % auf 14 % im Jahr 2018. Zeitgleich mit der Erhöhung des Prämiensatzes stieg die Steuergutschrift von ca. 324 Millionen Euro im Jahr 2010 auf ca. 800 Millionen Euro für das Jahr 2020 bzw. 825 Millionen 2021. Laut der Studie sind es in erster Linie Unternehmen die kontinuierlich F&E betreiben, die von der Forschungsprämie profitieren. Sie gehen ein höheres Forschungsrisiko ein, planen höhere Ausgaben für F&E Infrastrukturen und planen die Projektumsetzung entsprechend zeitnah. Auch evozierte die Forschungsprämie das Unternehmen ihre F&E-Aktivitäten nach Österreich verlagerten. Was die Forschungsprämie bislang eher wenig vermochte ist, dass Unternehmen mit geringer F&E Tätigkeit diese deutlich ausbaute, so die Studie.

Fazit:
Die Forschungsprämie war bereits vor der Pandemie ein wichtiges Instrument damit F&E-betreibende Unternehmen ihre Forschungsaktivitäten auf ein neues Niveau heben und höhere Risiken eingehen, um innovativere Forschungsergebnisse hervorzubringen. Im Corona-Jahr 2020 nahm der Anteil der Forschungsprämie an den Bruttoinlandsausgaben für F&E deutlich zu, somit wird zukünftig die Forschungsprämie noch mehr Einfluss auf den Innovationsfaktor Österreichs haben.

Quelle:
Keuschnigg, Christian (2021): Wirkung von Forschungsausgaben, St. Gallen.

Dr. Carsten Schmidt

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