Forschungsförderung: OECD plädiert für klaren Richtungswechsel

Autor: Dr. Carsten Schmidt

Die Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig Forschung und Entwicklung (F&E) ist, um globale Probleme gemeinsam zu lösen. In einer beispiellosen transnationalen Anstrengung wurde laut Schätzung der OECD bis zum Ende des letzten Sommers rund 7,5 Milliarden US-Dollar für die COVID-19-Forschung aufgebracht. Gleichzeitig hat die Pandemie sich in der F&E mit mehr als 75.000 Aufsätzen bis November 2020 bereits ein digitales Denkmal gesetzt – positiv: drei Viertel der Beiträge sind frei zugänglich.

Veränderungen 2020 bei F&E-Ausgaben
In allen OECD-Ländern haben Unternehmen der Digital- und Pharmabranche ihre F&E-Investitionen im Jahr 2020 erhöht, während die Automobil-, Luft- und Raumfahrt- sowie die Verteidigungsbranche ihre F&E-Ausgaben aufgrund von Umsatz- und Rentabilitätsrückgängen reduzierten. Besonders Boeing reduzierte die F&E-Ausgaben deutlich. Auch Daimler, Airbus und Volkswagen strichen Investitionen.

Was lässt sich aus der Pandemie lernen?
Andrew Wyckoff, Direktor des OECD-Direktorats für Wissenschaft, Technologie und Innovation, konstatiert, dass die Rolle, die China in der Pandemie-Forschung gespielt hat, das Land als Global Player bestätigt. China sei jetzt der zweitgrößte F&E-Finanzier der Welt und hat bei der Pandemie-Forschung engere Beziehungen zu den USA entwickelt.

Die Reaktion der Forschung auf die COVID-19-Pandemie sei ein deutliches Beispiel für den Wert der Zusammenarbeit, aber die Pandemie hat auch auf Mängel in der Organisation und Finanzierung der Forschung hingewiesen und die Notwendigkeit einer Reform der Wissenschaftspolitik durch die Regierungen deutlich gemacht, so der OECD-Bericht.

Blick in die Forschungs-Zukunft
Über die Pandemie hinaus wird die Förderung des Übergangs zu einer nachhaltigeren Gesellschaft massive Forschungskapazitäten erfordern, so die OECD. Auf der Grundlage der Lehren aus der Krise sollten die Regierungen ihre Wissenschaftspolitik überdenken und sich mit den richtigen Instrumenten ausstatten, um den Übergang zu einer nachhaltigeren und widerstandsfähigen Gesellschaft zu schaffen. Hierfür seien offene und kollaborative Forschung mit Akteuren aus der ganzen Welt sowie ein multidisziplinärer Ansatz essenziell. Zum Beispiel müssten Regierungen möglicherweise neu überdenken, wie sie Anreize für Unternehmen schaffen, in F&E zu investieren, so die OECD. Deutschland hat seit Jänner 2020 zur Förderung von F&E die Forschungszulage eingeführt.

Steuerliche Anreize vs. Direkte Zuschüsse
Steuerliche Anreize seien in den meisten OECD-Ländern die dominierende Form der Forschungsförderung im privaten Sektor und machten 2017 insgesamt 55 % der staatlichen Unterstützung aus. Während Steuererleichterungen Unternehmen zwar zu Innovationen anregen, seien sie oft nicht zielgerichtet. Langfristige, nachhaltige und oft risikoreiche Innovationen werden nach Ansicht der OECD besser durch direkte Zuschüsse unterstützt. Doch dafür müssten die Regierungen einen uralten Trend umkehren. Zuschüsse sind, im Gegensatz zu Steuern, an den Haushalt gebunden. In Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs, wenn die Sparpolitik einsetzt und die Staatsverschuldung wächst, werden die direkten Zuschüsse in der Regel reduziert, während die steuerlichen Anreize wachsen, beobachtet Wyckoff. „Für mich geht es weniger um das Geld als vielmehr um die Einstellung zu neuen Wegen“, sagte Wyckoff.

Österreich erfolgreich mit klassischem Modell
Im Jahr 2018 belief sich die F&E-Förderung durch Steuergutschriften auf 713 Millionen Euro – 2019 waren es 758 Millionen Euro. Grund hierfür sei u. a. die Erhöhung der Forschungsprämie von zehn auf zwölf Prozent und so auch für die vergangenen beiden Jahre, denn am 1. Jänner 2018 wurde die Forschungsprämie nochmals auf 14 Prozent erhöht. Im Jahr 2020 hatte Österreichs Wirtschaft erstmals über eine Milliarde Euro an Forschungsprämie beantragt. Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) meint die Forschungsprämie sei „ein nachhaltiges Investment in den Standort“ (Quelle: ORF).

Insgesamt regt die OECD in erster Linie eine internationale kooperative Forschung an. Dies ist vor dem Hintergrund des Wettbewerbs der Länder um Innovationen, neuen Unternehmensansiedlungen und Fachkräften eher ein Wunschdenken. Bestes Beispiel: Österreich konnte in den vergangenen Jahren aufgrund seiner hohen Forschungsprämie bei Unternehmen aus dem Ausland punkten. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) gab im Jänner 2021 bekannt, dass im Corona-Jahr 2020 weniger ausländische Firmen zur Ansiedlung gekommen seien, aber es trotz Pandemie das drittbeste Jahr nach 2019 und 2018 war. Ein Viertel der Newcomer stammte aus Deutschland (95), gefolgt von Italien (35), der Schweiz (25) und UK (24). Anreize für Firmen aus dem Ausland seien die verfügbaren Fachkräfte, der hohe F&E-Anteil sowie die Unterstützungen im Forschungsbereich, etwa die 14-prozentige Forschungsprämie, so Schramböck. Ebenfalls beachtlich ist, dass die Zahl der Gründungen stabil blieb, denn 2020 gab es in Österreich 32.551 Unternehmensgründungen, was ein Anstieg um 1,2 Prozent zu 2019 ist.

Quellen:
Goda Naujokaityté: Lessons from a pandemic: international science cooperation must continue beyond COVID-19 (14. Januar 2021)
OECD, Science, Technology and Innovation Outlook (Januar 2021)
BMBWF, BMK, BMDW: Österreichischer Forschungs- und Technologiebericht 2020 (Wien 2020).

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